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13.10.2011
Es hört nicht auf. Jetzt hat die Slowakei dem Euro-Rettungsschirm doch zugestimmt. Man läßt einfach so lange abstimmen, bis das Ergebnis stimmt.
Manche fragen sich auch: Ist es demokratisch oder ist es ein Konstruktionsfehler, wenn ein Land mit der Wirtschaftskraft eines Baumerktes in Pasewalk die Rettungsmaßnahmen für die zweitwichtigste Währung der Welt blockieren kann?
Wieso dauert das eigentlich so lange, einen vernünftigen Euro-Rettungsplan auszuarbeiten? Man denkt ja immer, in den Gremien EU sitzt die creme de la creme der politischen Elite des ganzen Kontinentes, beraten von hochrangigen Experten. In Wirklichkeit sitzen da ein kleinwüchsiger französischer Playboy und ein pädophiler italienischer Greis neben einer Frau mit Mundwinkeln bis in die Kniekehlen, die während der Krisensitzung sms-Nachrichten an Ronald Pofalla tippt. Und das, was der Playboy, der Pädophile und der Hosenanzug besprechen, wird für die anderen simultan auf maltesisch und litauisch übersetzt, und das, was die dazu sagen wird dann vom Maltesischen und Litauischen in eine Sprache übersetzt, die Horst Seehofer offenbar nicht versteht. Dagegen ist „Stille Post“ wissenschaftliches Arbeiten!
Aber vieles ist ja auch nicht zu begreifen. Warum bewerten Rating-Agenturen Länder? Die stufen ein Land herunter, wenn das Land zu viele Schulden hat im Verhältnis zu dem, was es produziert. Aber wo kommen die vielen Staatsschulden her? Griechenland – gut, da ist der Fall klar. Aber Italien – gut, Italien… Aber sogar richtige Länder wie Deutschland und Frankreich haben wahnwitzig hohe Schulden. Warum?
Hm - wer hat in der Finanzkrise 2008 die überschuldeten Banken gerettet? Die Staaten! Mit hunderten von Milliarden Steuergeldern haben sie Landesbanken gerettet, Immobilienbanken - lauter nutzloses Zeug. Sogar Investmentbanken - das sind Unternehmen, die gar nichts produzieren außer pickligen, weltfremden Nerds mit Phantasiegehältern. Dort arbeiten Leute - ich habe das kürzlich in einer seriösen Zeitung gelesen - einer von diesen Hätschelfonds-Managern hat sich monatelang von 5 Kilo Fruchtgummis am Tag ernährt! Also erst Gummibärchen fressen, bis die Birne weich ist, und dann die Arbeit von anständigen Menschen vernichten.
Und solche Existenzen wurden von Ländern gerettet, die jetzt von den Rating-Agenturen runtergerated werden.
Aber wem gehören die Rating-Agenturen größtenteils? Den Gummibärchenfresser-Banken! Erst gerettet, dann geratet. Man muß sich das mal vorstellen: Dieselben Leute, die erst ein paar hundert Milliarden für ihre Zockerei in den Arsch geblasen bekommen haben, gehen gleich nach ihrer Rettung zur Ratingagentur und sagen: „Guck mal, der ist jetzt pleite!“
Diese Typen - das sind genau die, die wir früher in der Schule im Klo eingesperrt haben. Und zwar in die Schüssel.
Diese Typen - DAS ist teuer, nicht der Euro...!
5.9.2010
Das stammt noch aus der Urlaubszeit, vergangene Woche an einem Waldrand im Trentino: Neben mir steht ein kühlschrankförmiges Wohnmobil von den Ausmaßen des ehemaligen Kölner Stadtarchives - also normal. Es wird langsam dunkel, es ist leise, nur der Wind rauscht. Doch plötzlich zerreißt das Knattern eines sehr lauten Dieselmotors die Stille. Der Bewohner des Wohnmobils hat einen Zusatz-Generator angeworfen, um seine offenbar erhebliche Zahl von Verbrauchergeräten betreiben zu können: Von außen sehe ich nur mehrere Fernseher und scheinwerferartige Lampen. Das Geräusch bleibt. Der Bewohner wird es nicht hören, weil er sich im Stadtarchiv verschanzt hat. Wozu in die Stille fahren... Ich packe mein Zeug und fahre ein paar hundert Meter aus der Lärmzone.
11.6.2010
Die WM ist los. Sämtliche Fernseher des Landes werden vor Kneipen, in Biergärten und auf öffentliche Plätze gestellt. Elsaßstraße in Köln: Drei ältliche nicht ganz dünne Herren sitzen in der am wenigsten malerischen Ecke der Straße auf winzigen Plastikstühlchen vor einem noch winzigeren orangefarbenen Fernseher, welcher um 1975 zur medialen Erschließung eines Gäste-Dachkämmerchens angekauft worden sein könnte. Man sieht fast nichts, aber es geht ihnen sichtlich gut.
Dementsprechend lautet die Definition von public viewing: Wenn mehr als zwei Menschen auf einem öffentlich zugänglichen Platz eine Spielausstrahlung gemeinsam theoretisch verfolgen könnten.
Über weitere Definitionsansätze freue ich mich!
18.5.2010
Einigen mag es aufgefallen sein, diese Seite ist ein wenig umgebaut und es gibt jetzt diesen blog. Ich versuche gerade, mich ein wenig mit der software vertraut zu machen sowie mit der Tatsache, daß ich alle Inhalte ab sofort selbst einstellen kann. Dies ist somit DER ANFANG. Ich bin mal sehr gespannt, wer alles Kabarettseitenblogs liest.
12.10.2010
Was macht eigentlich Philipp Rösler tagsüber?
14.6.2010
Alle regen sich über die Vuvuzelas auf. So laut sei es in den Stadien, und das Geräusch im Fernsehen völlig unerträglich... Es stimmt,wenn ich seit WM durch die Stadt radle muß man bei jeder Kneipe mit Fernseher schauen, ob ein Wespenschwarm hinter einem ist. Aber ich möchte mich hiermit über alle aufregen, die sich über Vuvuzelas aufregen. Das ist koloniales Gequatsche. Da wird nicht nur für uns vor der Glotze gespielt, in südafrikanischen Stadien halten sich reale Menschen auf, die eigene Vorstellungen von "Stadionstimmung" haben. Sooo viel schöner ist ein herzhaft gegröltes "Schland! Schland!" auch nicht.
Und ich hätte große Lust, eine Pressekonferenz von Merkel und Westerwelle mit jenem in deutschen Fanmeilen leider verbotenen Gerät zu beleben.
19.5.2010
Hierhin soll alles, wovon man nicht weiß wohin damit und was einen wütend macht, wenn man drüber stolpert. An solch dreckiger Wäsche aus den vergangenen Wochen fällt mir zunächst nur die Tatsache ein, daß Eckart von Hirschhausen politische Kabarettisten als Nörgler bezeichnet hat, von denen er noch nie erlebt habe, daß sie Menschen glücklich machen würden. In seinem Programm dagegen... Intellektuell bewegt er sich damit irgendwo in der Grauzone zwischen Esoterik aus dem Wühlstand eines Buchclubs und der Gesellschaftsanalyse von Guido Westerwelle. Erfolg macht anscheinend - seltsam im Kopf. Kollegenbashing gehört eigentlich nicht auf eine Kabaretthomepage, aber wenn, dann hierher.
Politik, die mal aktuell war:
8.2.2011
Die FDP wehrt sich weiterhin heldenhaft dagegen, dass mehr Menschen in Deutschland von ihrer Arbeit leben können. Kein gleicher Lohn für Leiharbeiter! Nicht umsonst sagt Guido "Mindestlohn ist DDR ohne Mauer!" Der Hundt hat schon zur Warnung gekläfft, eine neue Regelung zur Leiharbeit sei ohnehin sinnlos, denn die Unternehmen würden sie unterlaufen. Das ist ein völlig neuer Ansatz konservativer Politik: "Laßt alle Regelungen fahren! Es wird nämlich welche geben, die sich nicht daran halten!"
Jan/Feb 2011
Freiheitskampf in Tunesien, Freiheitskampf in Ägypten - und der Focus fragt: "Kann der Moslem Freiheit?" Kann der Focus sehen?!? Offensichtlich kann der Moslem Freiheit, er hat nur vorher die europäischen Sarrazins nicht gefragt, ob sie das mit ihrem muslimischen Rollenbild vereinbaren können. Europa kann Freiheit so gut, daß gro0e Freiheitskämpfer wie Nicolas Sarkozy sich mit dem heutigen tunesischen Ex-Diktator wenige Tage vor dessen Sturz noch Arm in Arm fotografieren ließ. Arabische Völker kämpfen um die Freiheit, und Europa und die USA sorgen sich um die "Stabilität".
?!?
Stabilität war gut für uns, Stabilität war, als dort geknechtet und gefoltert wurde - Stabilität ist auch in einem Grab.
Dezember 2010
Die FIFA hat es beschlossen: Football´s coming home! Die WM 2022 geht an Katar! Katar hat zwei Dinge mit der FIFA gemeinsam: Mit Fußball nix am Hut und den Arsch voll Geld. Gut, die einen haben Ölgeld, die anderen Schmiergeld, aber sonst stimmt´s.
Das sind herrliche Aussichten für die Fans: Katar ist halb so groß wie Hessen. Dort werden 15 Fußballstadien neu gebaut. Man kann sich also als Zuschauer ganz oben auf einen Stadionrand draufsetzen und die WM über da sitzen bleiben, dann sieht man von da aus alle Spiele.
Drum sage ich ja auch "Hurra, hurra", wenn das Öl aus ist.
11.10.2010
Es wurde wenig beachtet, aber Merkels "Herbst der Entscheidungen" hat wieder zugeschlagen. Eine gigantische, man muß sagen, eine Jahrhundertreform wurde auf den Weg gebracht: Die Neuordnung der Zuverdienst-Regeln für Hartz-4-Empfänger. Und es ist die totale Neuordnung, die völlig neue Maßstäbe bei der Motivation zur Arbeitsaufnahme setzen wird. Man darf jetzt 20 Euro mehr vom Zuverdienst behalten als bisher. Man sieht sie schon die Arbeitsmärkte für Minijobs stürmen. ein eindrucksvoller Beweis dafür, daß in der FDP nun mal die Experten in Sachen Marktwirtschaft, Initiative und Motivation sitzen.
28.9.2010
Endlich ist die Bundesregierung den Anforderungen des Bundesverfassungs-gerichtes nachgekommen und hat die Berechnung der Versorgungssätze für Vorstandsmitglieder staatlich geretteter Banken transparent gemacht. So weiß der Steuerzahler: Was braucht denn so ein Bankvorstand? Gleichzeitig muß das Lohnabstandgebot gewahrt bleiben. Sonst hätte der Bänker ja auch überhaupt keine Motivation, eine sinnvolle Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Also hat man das Bänker-Minimum wie folgt auf den Cent genau berechnet:
Bekleidung und Schuhe: 5 593,60 Euro pro Monat
Wohnen: 5 443,20 pro Monat
Freizeit und Kultur: 7 192,80 pro Monat
Saufen darf er auch nicht mehr, sonst fährt er ja noch eine Bank vor die Wand. Dafür bekommt der Bänker aber jetzt monatlich 550,16 Euro für Mineralwasser, damit er „den Flüssigkeitsverlust ausgleichen“ kann.
Das erscheint angemessen, wenn man bedenkt, dass der staatlich unterstützte Bänker für eine einfache Eintrittskarte in die Bayreuther Festspiele den Freizeit-Versorgungssatz für etwa zwei Wochen aufsparen muß. Eine Nichtteilnahme an kulturellen Ereignissen wäre jedoch diskriminierend. Besonders sozial ausgewogen ist, dass man für die Berechnung der Bänker-Versorgungssätze nicht mehr das Einkommen der oberen 20%, sondern das der obersten 15% der Einkommen als Grundlage genommen hat.
Diese Rechnung bezieht sich nicht etwa auf die Versorgungssätze für die Vorstände großer Banken, sondern auf leitende Angestellte der 2. Reihe von Banken, die staatliche Hilfsgelder erhalten haben. Ein staatlicher Gesamtversorgungssatz von 800 000 Euro pro leitenden Angestellten (im Hilfsjargon „Jahresgehalt“ genannt) entspricht genau dem 184fachen des neuen Hartz-4-Satzes. Diese sind in die obige Rechnung eingegangen.
Anders gesagt: 184 Hartz-4-Empfänger füttern einen HRE-Vorstand durch.
Besonders hervorheben möchte ich hier die Bildungsausgaben. Ein erwachsener Hartz-4-Empfänger hat Anspruch auf genau 1,39 Euro für Bildungsausgaben, ein jugendlicher von 15-18 Jahren sogar nur auf 29 Cent. Das dafür aber jeden Monat! Da hat man schon nach drei Monaten einen nagelneuen Bleistift zusammen. Das sorgt für soziales Gleichgewicht, denn so bleibt jede Bevölkerungsschicht da, wo sie ist. Die einen ganz unten, die anderen ganz oben.
Und die Bundesregierung spart wirklich, wo sie kann. So wurde z.B. auf eine Beteiligung der Stromkonzerne an den Kosten für die Entsorgung des Atommülls völlig verzichtet. Und: Das Atommüll-Lager Asse wird günstiger! Die Kosten für das in Salzlauge absaufende sichere Endlager betragen etwa 3,7 Milliarden. Es sind aber nicht, „wie bisher vermutet“, 14 779 Fässer da unten, sondern 126 000 Fässer. Das bedeutet, dass der Versorgungssatz pro Faß von 250 355 auf 29 365 Euro gekürzt worden ist. Das ist drastisch!
Dafür holt man die Fässer auch noch hoch. Und lässt sie nicht unten liegen, wie Hartz-4-Empfänger.
20.9.2010
Neueigkeiten aus der Atombranche: Im Endlager Schacht Konrad soll praktischerweise der größte Eigentümer von Atommüll die Sicherheit des Schachtes "überprüfen". Das ist nicht Bananenrepublik. Das ist Spreewaldgurken-Republik.
12.9.2010
Man hätte in der Sommerpause bleiben sollen.
Nicht nur Sarrzin selbst. Schlimmer die endlosen Debatten im Fernsehen, ob man denn nicht doch in einem Buch mit rassistischen Thesen einen "Kern" erkennen müsse? Nein. Weg damit.
Jetzt macht Gabriel den Sarrazin. Wohl damit man Sarrazin verlustlos aus der SPD ausschließen kann. Populistenpack.
Westerwelle will Seuersenkungen... WAR überhaupt Sommerpause!?!
10.6.2010
Das Sparpaket ist geschnürt. Sie nennen es Sparpaket, aber es ist eine Kriegserklärung: An alle, die nicht Gutverdiener sind, an den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir hatten 100 Milliarden für die "systemrelevante" Bank, deren Namen (HRE) bis dahin noch niemand gehört hatte, und deshalb bekommen Hartz-4-Empfänger des Heizkostenzuschuß gestrichen, was 300 Millionen bringt. Allein die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels kostet 1 Milliarde pro Jahr. Die FDP empfiehlt Hartz-4-Beziehern, im Winter öfter mal im Hotel zu übernachten. Man muß ja nicht immer zahlen. Der Hinweis "das geht auf Rechnung Westerwelle und übrigens auch Seehofer" genügt.
Wenn dieser Haufen jemals eine Legitimation hatte - spätestens jetzt haben sie sie verloren. Sie haben nicht mal versucht, dem ganzen einen Anschein von sozialem Ausgleich zu geben. Wenn selbst der Chef des CDU-Wirtschaftsrates (!) fehlende soziale Gerechtigkeit anmahnt (!!) und eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes fordert (!!!), spätestens da müßte auch der Arglose ahnen, daß da was nicht stimmt. Mit dem CDU-Wirtschaftsrat gegen soziale Ungerechtigkeit, das ist so, als würde Dieter Bohlen sagen "Der Umgangston in der Koalition ist mir zu dreckich".
3.6.2010
Warum man sich nicht auf einen gemeinsamen Bundespräsi-Kandidaten einigen konnte wird auf ewig Merkels Geheimnis bleiben. Christian Wulff? Ein Knaller! Früher hat man so was zum Einschlafen genommen.
20.5.2010
Immer wieder liest man, daß die Deutschen bremsen. Natürlich nicht im Auto, sondern in Europa. Und da vor allem, wenn es um Regulierungen des Finanzmarktes geht. Schäuble sagt, ehe man da zustimme müsse man erst einmal abwarten, ob Verbote bestimmter schädlicher Produkte und Kostenbeteiligungen der Banken global durchsetzbar sind. Sonst würde das nichts bringen und man hätte einen Wettbewerbsnachteil.
?!?
Natürlich bringt es weltwirtschaftlich GAR NICHTS, wenn ein kompletter Wirtschaftsraum wie die EU einheitlich z.B. Hedge-Fonds reguliert...!? Und worin sollte der Nachteil bestehen, einseitig ein Produkt abzuschaffen, das nachweislich irre ist?
Immer wieder wurden gerade von Deutschland die Bürgschaften für Griechenland kritisiert, angeheizt von einer führenden Boulevardzeitung. Dazu eine Preisefrage: Ohne welchen Hilfsplan wäre Deutschland nach der von ihm zu verantwortenden Zerstörung Europas ein paar Jahre länger in Trümmern erstickt? Tipp: Der Plan enthielt auch Hilfskredite und ist nach einem amerikanischen Außenminister benannt, dessen Name wie ein Militätdienstgrad klingt. Unter den richtigen Antworten wird ein griechisches Abendessen in der Redaktion der Bildzeitung verlost, das man zwar selbst bezahlen muß, dessen Reste man dafür danach wahllos im Redaktionsgebäude verteilen darf.
Aus Angst vor dem Wertverfall des Euro kaufen die Leute Gold. Der Euro steht heute höher als sein Einführungswert, aber die Leute kaufen Gold.
Die einzigen, die sich über den Finanzmarktwahnsinn freuen ist vermutlich die Firma BP. Das ist freundliche Ablösung von Negativ-Schlagzeilen. Wir fliegen zum Mars, aber sie kriegen seit fast vier Wochen ein Loch nicht zu.
