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Blog

Auftrittstagebuch

7.6.2010
Gestern hatte ich einen hübschen Auftritt in der "Wein- und Sektstadt Hochheim". Man kommt am Bahnhof an, da ist NICHTS, es fehlen nur vorbeiwehende Büsche wie in einem Western, doch ein Schild hängt da: "Wein- und Sektstadt Hochheim". Unmittelbar danach fährt ein beleibter Herr, der nur mit einer sehr engen Turnhose bekleidet ist, mit einem Fahrrad den Bahnsteig entlang, wendet am Ende, bricht dabei ganz langsam mit dem Fahrrad zusammen und einfach unter dem Fahrrad auf dem Boden liegen. Ah, Wein und Sektstadt... Da leben aber auch sehr aufmerksame Menschen, die zur Matinée des wunderbaren Kollegen Bernhard Westenberger und meiner Wenigkeit kommen und Spaß haben - als hätten sie große Mengen Sekt...

1.6.2010
Eine herrliche Theaternacht mit einem der Lieblingskollegen (Martin Maier-Bode) in einem der Lieblingstheater (TAK) mit Lieblingsbesetzung. Nur sieben Auftritte in sieben Stunden. wirklich herrlich, denn bis zum Schluß hat Hannover (!!) getobt (!!!). Aber seit Lena genießt Hannover einen deutlich weniger leblosen Ruf. Dank dieser Nacht, in der wir da spielten. Während des letzten Auftritts wurde mir per sms live aus Oslo - ok, aus der Küche des TAK, wo sich der Fernseher befand - Lenas Gewinn durchgegeben, und Hannover dachte, das sei Teil des Kabarettprogrammes. Erst auf mehrmalige Versicherung tosender Jubel. Wir machen Menschen doch glücklich. Vielleicht nicht immer mit unsren Programmen, aber was soll´s.

22.5.2010

Wer weiß, wo Thierstein liegt?
Gut, zu schwer - wer weiß, wo Kaiserhammer liegt? Keine 6 Stunden Bahn- und Busfahrt von Köln, quasi um die Ecke, vom Bahnhof Marktredwitz bin ich der einzige Gast eines sehr dicken Linienbusfahrers, der außer mir erhebliche Mengen an Putzmaterialien transportiert. Er fährt die Strecke vermutlich jeden Tag, aber als ein weiterer sehr dicker scnaufender Mann einsteigt debattieren sie, wo das sein könnte: Der Kulturhammer... Des Ding hinter der Brücke, von dem Imker! Da ist zwar keine Haltestelle, aber genau da hält er und läßt mich aussteigen. Genau, der Kulturhammer ist bei dem Imker, ein reizender Mensch namens Helmut Tietz, wo in einem alten Tanzsaal Kultur veranstaltet wird. Wo Altfreaks ein Dorf übernommen haben und die eingeborene Bevölkerung auch gerne hingeht: Weil´s schön ist und sehr liebevoll gemacht. wir sind noch in Deutschland, und so was gibt es hier auch.

19.5.2010
Da ich erst seit einigen Tagen über die ungeheuren Möglichkeiten eines blogs verfüge, aber die quasi auftrittslose Sommerzeit näher rückt,  mache ich eine Rückschau über die vergangenen Wochen.

Im April hatte Auftritte in Orten, in denen ich zuvor noch nie war, und das ist selten. Unvergeßlich bleiben wird mir Weinstadt, wo ich ausnahmsweise mit etwa 120 Minuten Verspätung ankam. Dank der Bahn, auch das ist aber entgegen allen Vorurteilen äußerst SELTEN! Zum einen ist es unvergeßlich wegen einer Durchsage in der S-Bahn von Stuttgart zum Auftrittsort, nach etwa 20 Minuten stillstehend im Tunnel: "Verehrte Fahrgäste, wegen einer Streckensperrung fährt dieser Zug voraussichtlich wieder zurück zum Hauptbahnhof. Wenn es etwas Neues gibt melde ich mich nochmal." 120 Minuten Verspätung hieß in diesem Fall 10 Minuten vor Auftrittsbeginn, also alles ganz entspannt. Dann auch stimmungsmäßig unvergeßlich, einer der schönsten Auftritte der letzten Wochen, wer dabei war, möge es bestätigen oder widerrufen...!

Großen Spaß machte es auch im Café Central in Hanau tags darauf. Was nicht zu vermuten war, hat Hanau doch rein äußerlich den Charme eines Parkhauses aus den 70er Jahren. Dafür viel kulturelles Angebot und interessierte Menschen! Leider ist es meistens umgekehrt: Orte mit hübschen Marktplätzen, gotischen Kirchen und historischem Ratskeller, aber das kulturelle Angebot erschöpft sich im Musikprogramm der örtlichen New-Yorker-Filiale. Dann lieber Hanau, und vor allem Café Central!

Ein Highlight war natürlich, an der Sendung "Mann an Bord" (24.4.) mitwirken zu dürfen. Mit einem Text über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, den ich nur für die Sendung gestrickt hatte. Dank auch eines äußerst netten Teams hat es richtig Spaß gemacht. Das Ergebnis kann man sich anschauen, ich bin äußerst zufrieden damit.
Ein weiteres persönliches Highlight war mein Auftritt im Festzelt des DGB Hannover am Vorabend des 1. Mai. So viel Stimmung! Und 600 Leute - hat man fast jeden Abend im Kleinkunstkeller.

Zwischen Herrlichkeit und Wahnsinn schwebte das Projekt "Die Muter aller Wahlen" - NRW-Wahlkampf-Kabarett mit meinem hochgeschätzten Kollegen Martin Maier-Bode. Für einige wenige Abende erhebliche Textmengen zusammenschrauben - das KANN Spaß machen. Hat es auch! Es kam dann bei der Wahl auch alles genau so, wie wir es im Programm vorhergesagt haben: Es ist epochal spannend, die FDP ist beleidigt, und es passiert lange absolut nichts.
Was mir beim letzten Auftritt mit dem Programm in Arnsberg aufgrund einer hochaktuellen Magen-Darm-Geschichte auf der Bühne fast passiert wäre beschreibe ich an dieser Stelle lieber ncht genauer. Es hat viel mit dem zu tun, wonach einem auch gelüstet, wenn man vor Wahlplakaten der FDP steht.

Ein Auftritt besonderer Art war mein Auftritt für die Bioenergie-Region Nordeifel, quasi eine Mischung aus Kabarett und Referentenbeitrag. Mit Zuhörern, die das Thema "Hurra! Hurra! Das Öl ist aus!" aus beruflichen Gründen interessant finden. Meine Vorredner boten viele äußerst wissenswerte Fakten darüber, welcher gewaltigen Dimension von interessensgeleiteter Fehlsteuerung unsere Gesellschaft in puncto Energieversorgung unterliegt. Wen das Thema interssiert, den darf ich auf  die homepage der Bioenergie-Regionen verweisen, oder man melde sich bei mir, ich leite gern Vortragsmaterialien weiter.

 

 

Aktuelle Politik

10.6.2010
Das Sparpaket ist geschnürt. Sie nennen es Sparpaket, aber es ist eine Kriegserklärung: An alle, die nicht Gutverdiener sind, an den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir hatten 100 Milliarden für die "systemrelevante" Bank, deren Namen (HRE) bis dahin noch niemand gehört hatte, und deshalb bekommen Hartz-4-Empfänger des Heizkostenzuschuß gestrichen, was 300 Millionen bringt. Allein die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels kostet 1 Milliarde pro Jahr. Die FDP empfiehlt Hartz-4-Beziehern, im Winter öfter mal im Hotel zu übernachten. Man muß ja nicht immer zahlen. Der Hinweis "das geht auf Rechnung Westerwelle und übrigens auch Seehofer" genügt.
Wenn dieser Haufen jemals eine Legitimation hatte - spätestens jetzt haben sie sie verloren. Sie haben nicht mal versucht, dem ganzen einen Anschein von sozialem Ausgleich zu geben. Wenn selbst der Chef des CDU-Wirtschaftsrates (!) fehlende soziale Gerechtigkeit anmahnt (!!) und eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes fordert (!!!), spätestens da müßte auch der Arglose ahnen, daß da was nicht stimmt. Mit dem CDU-Wirtschaftsrat gegen soziale Ungerechtigkeit, das ist so, als würde Dieter Bohlen sagen "Der Umgangston in der Koalition ist mir zu dreckich".

3.6.2010
Warum man sich nicht auf einen gemeinsamen Bundespräsi-Kandidaten einigen konnte wird auf ewig Merkels Geheimnis bleiben. Christian Wulff? Ein Knaller! Früher hat man so was zum Einschlafen genommen.

20.5.2010
Immer wieder liest man, daß die Deutschen bremsen. Natürlich nicht im Auto, sondern in Europa. Und da vor allem, wenn es um Regulierungen des Finanzmarktes geht. Schäuble sagt, ehe man da zustimme müsse man erst einmal abwarten, ob Verbote bestimmter schädlicher Produkte und Kostenbeteiligungen der Banken global durchsetzbar sind. Sonst würde das nichts bringen und man hätte einen Wettbewerbsnachteil.
?!?
Natürlich bringt es weltwirtschaftlich GAR NICHTS, wenn ein kompletter Wirtschaftsraum wie die EU einheitlich z.B. Hedge-Fonds reguliert...!? Und worin sollte der Nachteil bestehen, einseitig ein Produkt abzuschaffen, das nachweislich irre ist?

Immer wieder wurden gerade von Deutschland die Bürgschaften für Griechenland kritisiert, angeheizt von einer führenden Boulevardzeitung. Dazu eine Preisefrage: Ohne welchen Hilfsplan wäre Deutschland nach der von ihm zu verantwortenden Zerstörung Europas ein paar Jahre länger in Trümmern erstickt? Tipp: Der Plan enthielt auch Hilfskredite und ist nach einem amerikanischen Außenminister benannt, dessen Name wie ein Militätdienstgrad klingt. Unter den richtigen Antworten wird ein griechisches Abendessen in der Redaktion der Bildzeitung verlost, das man zwar selbst bezahlen muß, dessen Reste man dafür danach wahllos im Redaktionsgebäude verteilen darf.

Aus Angst vor dem Wertverfall des Euro kaufen die Leute Gold. Der Euro steht heute höher als sein Einführungswert, aber die Leute kaufen Gold.

Die einzigen, die sich über den Finanzmarktwahnsinn freuen ist vermutlich die Firma BP. Das ist freundliche Ablösung von Negativ-Schlagzeilen. Wir fliegen zum Mars, aber sie kriegen seit fast vier Wochen ein Loch nicht zu.

 

 

Dreckwäsche

14.6.2010
Alle regen sich über die Vuvuzelas auf. So laut sei es in den Stadien, und das Geräusch im Fernsehen völlig unerträglich... Es stimmt,wenn ich seit WM durch die Stadt radle muß man bei jeder Kneipe mit Fernseher schauen, ob ein Wespenschwarm hinter einem ist. Aber ich möchte mich hiermit über alle aufregen, die sich über Vuvuzelas aufregen. Das ist koloniales Gequatsche. Da wird nicht nur für uns vor der Glotze gespielt, in südafrikanischen Stadien halten sich reale Menschen auf, die eigene Vorstellungen von "Stadionstimmung" haben. Sooo viel schöner ist ein herzhaft gegröltes "Schland! Schland!" auch nicht.
Und ich hätte große Lust, eine Pressekonferenz von Merkel und Westerwelle mit jenem in deutschen Fanmeilen leider verbotenen Gerät zu beleben.

19.5.2010
Hierhin soll alles, wovon man nicht weiß wohin damit und was einen wütend macht, wenn man drüber stolpert. An solch dreckiger Wäsche aus den vergangenen Wochen fällt mir zunächst nur die Tatsache ein, daß Eckart von Hirschhausen politische Kabarettisten als Nörgler bezeichnet hat, von denen er noch nie erlebt habe, daß sie Menschen glücklich machen würden. In seinem Programm dagegen... Intellektuell bewegt er sich damit irgendwo in der Grauzone zwischen Esoterik aus dem Wühlstand eines Buchclubs und der Gesellschaftsanalyse von Guido Westerwelle. Erfolg macht anscheinend - seltsam im Kopf. Kollegenbashing gehört eigentlich nicht auf eine Kabaretthomepage, aber wenn, dann hierher.

 

Im Nichts

18.5.2010
Einigen mag es aufgefallen sein, diese Seite ist ein wenig umgebaut und es gibt jetzt diesen blog. Ich versuche gerade, mich ein wenig mit der software vertraut zu machen sowie mit der Tatsache, daß ich alle Inhalte ab sofort selbst einstellen kann. Dies ist somit DER ANFANG. Ich bin mal sehr gespannt, wer alles Kabarettseitenblogs liest.

 

Testbeitrag Rezepte

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Unterwegs

11.6.2010
Die WM ist los. Sämtliche Fernseher des Landes werden vor Kneipen, in Biergärten und auf öffentliche Plätze gestellt. Elsaßstraße in Köln: Drei ältliche nicht ganz dünne Herren sitzen in der am wenigsten malerischen Ecke der Straße auf winzigen Plastikstühlchen vor einem noch winzigeren orangefarbenen Fernseher, welcher um 1975 zur medialen Erschließung eines Gäste-Dachkämmerchens angekauft worden sein könnte. Man sieht fast nichts, aber es geht ihnen sichtlich gut.
Dementsprechend lautet die Definition von public viewing: Wenn mehr als zwei Menschen auf einem öffentlich zugänglichen Platz eine Spielausstrahlung gemeinsam theoretisch verfolgen könnten.
Über weitere Definitionsansätze freue ich mich!