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News-Blog

9.2.2012

Schlagzeile von heute: "Deutschland exportiert so viel wie nie zuvor." Heißt, wir machen uns die Taschen voll, weil wir Waren an Länder verkaufen, denen wir sagen, dass sie gefälligst sparen sollen.
Wir sind wieder Vorbild. Man liebt uns, vor allem der Grieche und der Italiener. Wir überschwemmen Europa mit klugen Ratschlägen. Wir haben Top-Politiker wie Volker Kauder ("In Europa wird jetzt endlich deutsch gesprochen"). Unser Bundespräsident ist vorbildlich: Nimmt als Staatsmann einen billigen Privatkredit und zahlt den auch noch zurück! Das ist in Ländern wie Italien undenkbar. Oder unser Ausbildungs-sytem: Beim Verfassungsschutz z.B., da werden Azubis angelernt, die rechtsradikale Szene zu beobachten. Und erst wenn sie 10 Jahre lang absolut nichts gesehen haben, werden sie befördert. Das ist in Ländern wie Griechenland undenkbar.
Ja, man liebt uns! Spätestens im nächsten Urlaub werden wir es merken, wenn wir unser Auto nicht mit einem plakatgroßen "I didn´t vote Angela Merkel"-Aufkleber versehen haben.



Was mal aktuell war...:

13.10.2011
Warum bewerten Rating-Agenturen Länder? Die stufen ein Land herunter, wenn das Land zu viele Schulden hat im Verhältnis zu dem, was es produziert. Aber wo kommen die vielen Staatsschulden her? Griechenland – gut, da ist der Fall klar. Aber Italien – gut, Italien… Aber sogar richtige Länder wie Deutschland und Frankreich haben wahnwitzig hohe Schulden. Warum?
Hm - wer hat in der Finanzkrise 2008 die überschuldeten Banken gerettet? Die Staaten! Mit hunderten von Milliarden Steuergeldern haben sie Landesbanken gerettet, Immobilienbanken - lauter nutzloses Zeug. Sogar Investmentbanken - das sind Unternehmen, die gar nichts produzieren außer pickligen, weltfremden Nerds mit Phantasiegehältern. Dort arbeiten Leute - ich habe das kürzlich in einer seriösen Zeitung gelesen - einer von diesen Hätschelfonds-Managern hat sich monatelang von 5 Kilo Fruchtgummis am Tag ernährt! Also erst Gummibärchen fressen, bis die Birne weich ist, und dann die Arbeit von anständigen Menschen vernichten.
Und solche Existenzen wurden von Ländern gerettet, die jetzt von den Rating-Agenturen runtergerated werden.
Aber wem gehören die Rating-Agenturen größtenteils? Den Gummibärchenfresser-Banken! Erst gerettet, dann geratet. Man muß sich das mal vorstellen: Dieselben Leute, die erst ein paar hundert Milliarden für ihre Zockerei in den Arsch geblasen bekommen haben, gehen gleich nach ihrer Rettung zur Ratingagentur und sagen: „Guck mal, der ist jetzt pleite!“
Diese Typen - das sind genau die, die wir früher in der Schule im Klo eingesperrt haben. Und zwar in die Schüssel.

Diese Typen - DAS ist teuer, nicht der Euro...!

 
 
28.9.2010

Endlich ist die Bundesregierung den Anforderungen des Bundesverfassungs-gerichtes nachgekommen und hat die Berechnung der Versorgungssätze für Vorstandsmitglieder staatlich geretteter Banken transparent gemacht. So weiß der Steuerzahler: Was braucht denn so ein Bankvorstand? Gleichzeitig muß das Lohnabstandgebot gewahrt bleiben. Sonst hätte der Bänker ja auch überhaupt keine Motivation, eine sinnvolle Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Also hat man das Bänker-Minimum wie folgt auf den Cent genau berechnet:

Bekleidung und Schuhe: 5 593,60 Euro pro Monat
Wohnen: 5 443,20 pro Monat
Freizeit und Kultur: 7 192,80 pro Monat
Saufen darf er auch nicht mehr, sonst fährt er ja noch eine Bank vor die Wand. Dafür bekommt der Bänker aber jetzt monatlich 550,16 Euro für Mineralwasser, damit er „den Flüssigkeitsverlust ausgleichen“ kann.

Das erscheint angemessen, wenn man bedenkt, dass der staatlich unterstützte Bänker für eine einfache Eintrittskarte in die Bayreuther Festspiele den Freizeit-Versorgungssatz für etwa zwei Wochen aufsparen muß. Eine Nichtteilnahme an kulturellen Ereignissen wäre jedoch diskriminierend. Besonders sozial ausgewogen ist, dass man für die Berechnung der Bänker-Versorgungssätze nicht mehr das Einkommen der oberen 20%, sondern das der obersten 15% der Einkommen als Grundlage genommen hat.

Diese Rechnung bezieht sich nicht etwa auf die Versorgungssätze für die Vorstände großer Banken, sondern auf leitende Angestellte der 2. Reihe von Banken, die staatliche Hilfsgelder erhalten haben. Ein staatlicher Gesamtversorgungssatz von 800 000 Euro pro leitenden Angestellten (im Hilfsjargon „Jahresgehalt“ genannt) entspricht genau dem 184fachen des neuen Hartz-4-Satzes. Diese sind in die obige Rechnung eingegangen.
Anders gesagt: 184 Hartz-4-Empfänger füttern einen HRE-Vorstand durch.

Besonders hervorheben möchte ich hier die Bildungsausgaben. Ein erwachsener Hartz-4-Empfänger hat Anspruch auf genau 1,39 Euro für Bildungsausgaben, ein jugendlicher von 15-18 Jahren sogar nur auf 29 Cent. Das dafür aber jeden Monat! Da hat man schon nach drei Monaten einen nagelneuen Bleistift zusammen. Das sorgt für soziales Gleichgewicht, denn so bleibt jede Bevölkerungsschicht da, wo sie ist. Die einen ganz unten, die anderen ganz oben.

Und die Bundesregierung spart wirklich, wo sie kann. So wurde z.B. auf eine Beteiligung der Stromkonzerne an den Kosten für die Entsorgung des Atommülls völlig verzichtet. Und: Das Atommüll-Lager Asse wird günstiger! Die Kosten für das in Salzlauge absaufende sichere Endlager betragen etwa 3,7 Milliarden. Es sind aber nicht, „wie bisher vermutet“, 14 779 Fässer da unten, sondern 126 000 Fässer. Das bedeutet, dass der Versorgungssatz pro Faß von 250 355 auf 29 365 Euro gekürzt worden ist. Das ist drastisch!

Dafür holt man die Fässer auch noch hoch. Und lässt sie nicht unten liegen, wie Hartz-4-Empfänger.


10.6.2010
Das Sparpaket ist geschnürt. Sie nennen es Sparpaket, aber es ist eine Kriegserklärung: An alle, die nicht Gutverdiener sind, an den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir hatten 100 Milliarden für die "systemrelevante" Bank, deren Namen (HRE) bis dahin noch niemand gehört hatte, und deshalb bekommen Hartz-4-Empfänger des Heizkostenzuschuß gestrichen, was 300 Millionen bringt. Allein die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels kostet 1 Milliarde pro Jahr. Die FDP empfiehlt Hartz-4-Beziehern, im Winter öfter mal im Hotel zu übernachten. Man muß ja nicht immer zahlen. Der Hinweis "das geht auf Rechnung Westerwelle und übrigens auch Seehofer" genügt.
Wenn dieser Haufen jemals eine Legitimation hatte - spätestens jetzt haben sie sie verloren. Sie haben nicht mal versucht, dem ganzen einen Anschein von sozialem Ausgleich zu geben. Wenn selbst der Chef des CDU-Wirtschaftsrates (!) fehlende soziale Gerechtigkeit anmahnt (!!) und eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes fordert (!!!), spätestens da müßte auch der Arglose ahnen, daß da was nicht stimmt. Mit dem CDU-Wirtschaftsrat gegen soziale Ungerechtigkeit, das ist so, als würde Dieter Bohlen sagen "Der Umgangston in der Koalition ist mir zu dreckich".

 


 
 
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