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Blog

5.9.2010
Das stammt noch aus der Urlaubszeit, vergangene Woche an einem Waldrand im Trentino: Neben mir steht ein kühlschrankförmiges Wohnmobil von den Ausmaßen des ehemaligen Kölner Stadtarchives - also normal. Es wird langsam dunkel, es ist leise, nur der Wind rauscht. Doch plötzlich zerreißt das Knattern eines sehr lauten Dieselmotors die Stille. Der Bewohner des Wohnmobils hat einen Zusatz-Generator angeworfen, um seine offenbar erhebliche Zahl von Verbrauchergeräten betreiben zu können: Von außen sehe ich nur mehrere Fernseher und scheinwerferartige Lampen. Das Geräusch bleibt. Der Bewohner wird es nicht hören, weil er sich im Stadtarchiv verschanzt hat. Wozu in die Stille fahren... Ich packe mein Zeug und fahre ein paar hundert Meter aus der Lärmzone.

11.6.2010
Die WM ist los. Sämtliche Fernseher des Landes werden vor Kneipen, in Biergärten und auf öffentliche Plätze gestellt. Elsaßstraße in Köln: Drei ältliche nicht ganz dünne Herren sitzen in der am wenigsten malerischen Ecke der Straße auf winzigen Plastikstühlchen vor einem noch winzigeren orangefarbenen Fernseher, welcher um 1975 zur medialen Erschließung eines Gäste-Dachkämmerchens angekauft worden sein könnte. Man sieht fast nichts, aber es geht ihnen sichtlich gut.
Dementsprechend lautet die Definition von public viewing: Wenn mehr als zwei Menschen auf einem öffentlich zugänglichen Platz eine Spielausstrahlung gemeinsam theoretisch verfolgen könnten.
Über weitere Definitionsansätze freue ich mich!